BWA verste­hen, eine Analy­se aus der Käufersicht

Lesen Sie weiter, wenn Sie eine BWA haben, aber nicht wissen, was ein Käufer daraus macht.

Wir sind in der Nähe:Reutlin­gen, Neckar Alb

Ein fikti­ves Beispiel im Überblick

Ein Unter­neh­men aus Metzin­gen mit acht bis neun Mitar­bei­ten­den, Umsät­zen zwischen rund vier und über sechs Millio­nen Euro und stark schwan­ken­den Ergebnissen.

Genau solche Zahlen sehen Käufer regel­mä­ßig. Und genau solche Zahlen sorgen bei Unter­neh­mern für Unsicher­heit, wenn es um Bewer­tung, Verkauf oder Nachfol­ge geht.

Kennzahl20202021202220232024
Umsatz (€) Mio3.94.96.45.66.2
Gewinn (€) T1952261.00077-566
Bilanz­sum­me (€) Mio1.41.82.42.12.4
Eigen­ka­pi­tal (€) T7169431.2571.334768
Eigen­ka­pi­tal­quo­te (%)5051516232
Mitar­bei­ter88999
Umsatz pro Mitar­bei­ter (€) T487612711622688
Verbind­lich­kei­ten (€) T5086349906091.451
Kassen­be­stand (€) T44083761551918

Der erste Blick auf die BWA*

Ein Käufer beginnt simpel. Er schaut auf den Umsatz. In diesem Beispiel wirkt er stark. Für die Größe des Unter­neh­mens ist er hoch. Der Umsatz pro Mitar­bei­ter liegt deutlich über dem Durch­schnitt. Das signa­li­siert Leistung und Marktakzeptanz.

Dann folgt der Blick auf den Gewinn. Und hier kippt das Bild. Ein ordent­li­ches Jahr, ein sehr gutes Jahr, dann ein deutlich schwä­che­res und zuletzt ein Verlust. Für einen Käufer ist das kein Detail. Das ist der zentra­le Punkt. Die BWA zeigt nicht nur Zahlen. Sie zeigt, wie planbar ein Unter­neh­men ist.

*BWA steht für Betriebs­wirt­schaft­li­che Auswer­tung. Kurz gesagt:
Die BWA zeigt monat­lich, wie Ihr Unter­neh­men wirtschaft­lich dasteht. Umsät­ze, Kosten, Gewinn oder Verlust, oft auch Liqui­di­tät. Sie ist kein Jahres­ab­schluss, sondern ein laufen­der Blick auf das Geschäft. Für Unter­neh­mer ist sie ein Steue­rungs­in­stru­ment. Für Käufer ist sie oft der erste und wichtigs­te Eindruck, lange bevor sie einen Jahres­ab­schluss sehen.

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Was die BWA über Stabi­li­tät verrät

Umsatz allein reicht nicht für eine Bewer­tung. Käufer suchen Stabi­li­tät. In diesem Beispiel ist der Umsatz über mehre­re Jahre vorhan­den. Er schwankt, bricht aber nicht weg. Das spricht für Kunden und Markt.

Der Gewinn dagegen ist unruhig. Das wirft Fragen auf. Liegt es an einzel­nen Projek­ten? Am Inhaber? An Inves­ti­tio­nen? An äußeren Einflüssen?

Auch das Eigen­ka­pi­tal sinkt deutlich im letzten Jahr, während die Verbind­lich­kei­ten steigen. Für einen Käufer ist das kein Urteil, sondern ein Risiko, das einge­ord­net werden muss.

Ohne Erklä­rung wird aus einem guten Unter­neh­men ein vorsich­tig bewer­te­tes Unternehmen.

Wie Käufer eine BWA bewerten

Bei stabi­len Ergeb­nis­sen greifen Käufer gern zu einfa­chen Regeln. Ein Vielfa­ches vom Gewinn oder vom Ergeb­nis. In diesem Fall funktio­niert das nicht.
Die Gewin­ne schwan­ken zu stark. Ein klassi­scher EBITDA-Multi­ple wäre hier nicht belast­bar. Statt­des­sen versucht der Käufer heraus­zu­fin­den, wie ein norma­ler Zustand aussieht.

Der Käufer fragt sich:

  • Was ist einmalig?
  • Was ist wiederholbar?
  • Was hängt an der Person des Unternehmers?

Die BWA wird damit zur Grund­la­ge für Gesprä­che, nicht für eine einfa­che Rechnung.

Wie der Unter­neh­mens­wert in diesem Beispiel entsteht

In solchen Fällen entsteht der Unter­neh­mens­wert aus Substanz und Perspek­ti­ve. Kunden­stamm, Markt­po­si­ti­on, Know-how, Mitar­bei­ten­de und Struk­tu­ren rücken stärker in den Fokus.

Oft wird der Kaufpreis aufge­teilt. Ein Teil wird fix gezahlt. Ein weite­rer Teil hängt davon ab, ob sich die Ertrags­la­ge wieder stabi­li­siert. Das nennt man Earn-out. Für Käufer ist das Absiche­rung. Für Verkäu­fer ist es ein Signal, dass Vertrau­en aufge­baut werden muss.

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Welche Preis­span­nen realis­tisch sind

Ohne Schön­rech­nung und ohne Fanta­sie bewegt sich der Preis bei solchen Zahlen meist im unteren Bereich. Entwe­der als Anteil vom Jahres­um­satz oder als Mehrfa­ches eines berei­nig­ten Ergeb­nis­ses, wenn dieses sauber erklärt werden kann. Das Verlust­jahr drückt den Preis deutlich.

Es sei denn, es ist klar begrün­det und die Entwick­lung dreht bereits wieder. Entschei­dend ist nicht, was rechne­risch möglich wäre, sondern was glaub­wür­dig ist.

Verkäu­fe schei­tern nicht am Inter­es­se. Sie schei­tern daran, dass die Geschich­te hinter der BWA nicht klar ist.

Markus Busch­mann

Überga­ben beglei­ten, Busch­mann Unternehmensberater

Warum viele Verkäu­fe hier scheitern

Solche Unter­neh­men sind meist gut verkauf­bar. Aber der Prozess ist anspruchs­voll. Viele Rückfra­gen, inten­si­ve Prüfung der BWA, Diskus­sio­nen über Risiken, Preis­nach­ver­hand­lun­gen. Die meisten Verkäu­fe schei­tern nicht am Inter­es­se. Sie schei­tern daran, dass die Geschich­te hinter der BWA nicht klar ist.

Warum es sich lohnt, die eigene BWA zu verstehen

Wer seine BWA nur ablegt, verschenkt Geld. Wer sie versteht, gewinnt Handlungs­spiel­raum. Nicht, um Zahlen zu beschö­ni­gen, sondern um sie einord­nen zu können. Genau das ist der Unter­schied zwischen Hoffen und Vorbereiten.

Kurz-Resume: Umsatz­stark, Ergeb­nis insta­bil (Käufer­sicht)

  • Umsatz liegt über mehre­re Jahre zwischen ca. 3,9 und 6,2 Mio. €, für die Unter­neh­mens­grö­ße sehr hoch
  • Umsatz pro Mitar­bei­ter ist deutlich überdurch­schnitt­lich, das weckt Käuferinteresse

  • Gewin­ne schwan­ken stark, ein sehr gutes Jahr, danach deutli­cher Rückgang, zuletzt ein Verlust
  • Ertrags­kraft ist aus Käufer­sicht nicht planbar

  • Eigen­ka­pi­tal war stabil, sinkt im letzten Jahr deutlich
  • Eigen­ka­pi­tal­quo­te bricht ein, Risikoemp­fin­den steigt

  • Verbind­lich­kei­ten steigen spürbar an
  • Finan­zi­el­le Abhän­gig­kei­ten nehmen zu
  • Cashbe­stand ist vorhan­den, aber unruhig
  • Liqui­di­tät wirkt nicht durch­ge­hend stabil

  • Unter­neh­men wirkt leistungs­fä­hig, aber stark abhän­gig von Umständen
  • Mögli­che Ursachen müssen erklärt werden, sonst drücken sie den Preis
  • Klassi­sche Bewer­tung über Gewinn­mul­ti­pli­ka­tor kaum möglich
  • Bewer­tung erfolgt über Substanz und Zukunftschance
  • Kaufpreis wahrschein­lich mit Sicherheitsabschlägen
  • Earn-out oder varia­ble Kaufpreis­be­stand­tei­le sehr wahrscheinlich
  • Unter­neh­men ist verkaufbar
  • Aber nur gut verkauf­bar, wenn die Geschich­te hinter den Zahlen klar ist

Zentral für den Preis sind drei Fragen:

  1. Warum schwan­ken die Ergeb­nis­se so stark?
  2. Wie abhän­gig ist das Unter­neh­men vom Inhaber oder einzel­nen Projekten?
  3. Wie sieht ein realis­ti­scher Normal­be­trieb aus?

Kurz-Resume – (Verkäu­fer­sicht)

  1. Kann ich die starken Gewinn­schwan­kun­gen der letzten Jahre sauber erklä­ren, ohne Ausreden?
  2. Ist das Verlust­jahr 2024 einma­lig oder Teil eines größe­ren Problems?
  3. Weiß ich, welches Jahr den norma­len Betrieb am besten abbil­det, nicht das beste, nicht das schlechteste?
  4. Kann ich zeigen, wie dieses Normal­ni­veau künftig erreicht oder gehal­ten wird?
  5. Welche Umsät­ze hängen direkt an mir als Inhaber?
  6. Was passiert, wenn ich mich aus dem Tages­ge­schäft zurückziehe?
  7. Welche Kunden oder Projek­te haben überpro­por­tio­na­len Einfluss auf Ergeb­nis und Liquidität?
  8. Gibt es Abhän­gig­kei­ten, die ein Käufer sofort erkennt?
  9. Warum sind die Verbind­lich­kei­ten zuletzt stark gestiegen?
  10. Sind sie strate­gisch sinnvoll oder reines Überbrücken?
  11. Ist das Eigen­ka­pi­tal bewusst geschwächt worden oder ungeplant abgeschmolzen?
  12. Welche Konse­quen­zen hat das für das Risiko­bild eines Käufers?
  13. Sind Mitar­bei­ter, Prozes­se und Struk­tu­ren ausrei­chend stabil, um einen Übergang zu tragen?
  14. Oder hängt zu viel Wissen an Einzelpersonen?
  15. Habe ich meine BWA so aufbe­rei­tet, dass ein Käufer sie versteht, ohne sie mir erklä­ren zu lassen?
  16. Oder entste­hen unnöti­ge Fragen durch Unklarheit?
  17. Bin ich bereit, über einen varia­blen Kaufpreis oder Earn-out zu sprechen?
  18. Oder halte ich an einer Zahl fest, die nicht erklär­bar ist?
  19. Weiß ich, welche Punkte ich vor einem Verkaufs­pro­zess klären sollte?

Reden Sie mit uns.

Wir schau­en Ihre BWA gemein­sam an und lesen sie so, wie es ein Käufer tun würde. Wir klären, wo Unsicher­heit entsteht und was das für den Unter­neh­mens­wert bedeu­tet. Am Ende wissen Sie, wo Sie stehen und was vor einem Verkauf oder einer Nachfol­ge geklärt werden muss.

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Aktua­li­siert: 30.12.2025