Von Start-ups lernen?

Haben Sie manchmal auch diese Sehnsucht: Alles auf Null stellen, die Organisation neu starten, den Ballast der Vergangenheit abwerfen, verstaubte Strukturen aufschütteln? Allzuoft tun wir die Dinge so, weil wir sie immer so getan haben – aber wir spüren, dass es dabei auch zu Lähmungserscheinungen kommt. Bei Start-ups ist das völlig anders.

Zurück auf Null: Von Start-ups lernen?

Jungunternehmer fangen neu an, werfen sich mit Leib und Seele in ein Geschäftsmodell und suchen den Erfolg. Offen gesagt: In meiner Zeit als Manager eines IT-Unternehmens hatte ich zu solchen Start-ups wenig Kontakt. Sie standen immer ein bisschen im Verdacht, junge Spinner zu sein, die Geld verbrennen und es am Ende doch nicht hinbekommen.

Schnelle Entscheidungen

Meine Meinung dazu hat sich stark geändert, seit ich in meiner Unternehmensberatung immer wieder Start-ups als Kunden habe. Redet man mit diesen Leuten, stellt man fest: Hier ist meistens Leidenschaft gepaart mit Kreativität, Begeisterung gepaart mit einem analytischen Blick.

Und diese jungen Leute bringen Eigenschaften mit, um die ich sie in meinem gereiften Alter fast beneide. Entscheidungen werden dort schnell gefällt, während meine Generation bereits droht, in Bedenkenträgerei zu ersticken. Wirkung und Ergebnisse zählen in den Start-ups. Wenn etwas nicht funktioniert, wird es schnell geändert.

Start-ups mit Bauchentscheidungen

Die Mitarbeiter in solchen Jungunternehmen haben ein gemeinsames Ziel und ziehen an einem Strang. Kommuniziert wird schnell und unkompliziert. Alle brennen für ihre Idee und das Geschäftsmodell. Ja, oft entscheidet der Bauch – mit manchmal unglücklichen Ergebnissen. Aber Hand aufs Herz: Auch die nüchternen, angeblich faktenbasierten Entscheidungen tragen bekanntlich nicht immer die Früchte, die man sich vorgestellt hat. Intuition kann eben auch ein wirksames Managementinstrument sein.

Überhaupt beeindruckt mich die Geschwindigkeit, mit der die jungen Leute vorangehen. Sie arbeiten nach dem KISS-Prinzip: Keep it simple, stupid. Entweder es geht einfach – oder es geht einfach nicht. Dabei sind sie konsequent kundenorientiert, weil ihnen täglich vor Augen steht, dass sie nur mit diesen Kunden Erfolg haben wollen.

„Das war schon immer so…“

 Start-ups denken nicht zu klein, eher visionär und nicht selten zu groß. Dabei haben sie – im Gegensatz zu vielen etablierten Organisationen – keinerlei Scheu, sich Hilfe zu holen. Sie wissen, dass ihnen Erfahrung fehlt. Das machen sie durch externe Berater wett. Überhaupt lagern sie alles aus, was nicht zu ihrer Kernkompetenz gehört.

Das Schönste aber: Der Satz „Das war schon immer so“ fehlt komplett in ihrem Repertoire. Sie denken die Dinge neu und scheren sich nicht darum, dass es so noch kein anderer gemacht hat. Genau das hilft ihnen zu einem Alleinstellungsmerkmal. Ihr Marketing ist dabei viral, weil sie auf der Klaviatur des Empfehlungsmarketings – etwa über Soziale Netzwerke – souverän spielen.

Platz für kreatives Denken

Das Denken der Start-ups ist so erfolgreich, dass große Unternehmen inzwischen Teams in Form eines Start-ups ausgliedern. Damit bündeln sie genau die Stärken, die sonst nur Jungunternehmer haben: Größere Freiheiten, keinen direkten Zahlendruck, keine engen Konzernvorgaben, Platz für kreatives Denken.

Dieser Blog soll Sie nun nicht dazu führen, mit Jammerblick auf die Start-ups zu schauen. Klar ist: Auch die etablierten Unternehmen haben Stärken, von denen übrigens die jungen Leute profitieren können. Die Etablierten haben sich durch schwere Zeiten und Krisen durchgebissen, sie haben einen reichen Erfahrungsschatz, sie kennen Kunden und Märkte in der Regel sehr viel präziser. Unternehmensgeschichte kann auch starkmachen.

In unserem Boxenstopp haben wir einen vierteljährlichen Austausch. Hier treffen sich Startups und erfahrene Unternehmer zum Austausch. Gemeinsam können wir so voneinander lernen.

Zero-based Thinking

Und was lernen wir nun von Start-ups? Vielleicht das, was der US-Managementguru Brian Tracy „Zero-Based Thinking“ nennt. Er stellt die Frage: „Mit dem, was ich heute weiß – was würde ich bei einem Neustart meines Unternehmens (oder meines Lebens) anders machen?“ Hier gibt’s ein zehnminütiges englischsprachiges Video, wo Tracy die Idee vorstellt: https://www.youtube.com/watch?v=2s2at9o9yYg.

Machen Sie doch einmal eine radikale Inventur Ihres Lebens und Ihrer Organisation. Wenn Sie heute von vorne anfingen: Welche Geschäftsfelder würde Sie ausweiten, welche beenden? Von welchen Kunden würden Sie sich sofort verabschieden? Welche Tätigkeiten würden Sie von Ihrer täglichen Terminliste streichen? In welche Bereiche würden Sie viel mehr Energie investieren? Start-up-Denken kann Sie dazu führen, sich völlig neu aufzustellen – privat wie im Unternehmen.

Ihnen mehr Erfolg! wünscht Ihr Spurwechsel-Assistent Markus Buschmann

2018-11-09T15:13:34+00:00By |Strategie Führungskräfte|